BGH: Werbung für kostenpflichtige Inhalte für Kinder in Spielen nicht erlaubt

Welche Werbung ist in kostenpflichtigen Games gestattet? Der BGH verbietet gewisse Angebote für Kinder.

Das Free-to-Play Konzept hat sich im Bereich der Spiele schon seit einigen Jahren etabliert. Egal ob Onlinegames oder Apps: Das Konzept Free-to-Play kommt an. Der Bundesgerichtshof könnte dem Konzept jedoch jetzt ein Ende bereitet haben. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat gegen den Spielehersteller Gameforge geklagt. Dieser hatte in seinem Spiel „Runes of Magic“ Werbung für die kostenpflichtigen Zusatzangebote des Unternehmens geschalten. Diese war mit dem direkten Link zum Onlineshop für die Rüstungsgegenstände verbunden.

Werbung dieser Art ist für Kinder verboten

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte vor allem wegen der direkten Kaufaufforderung in der Werbung geklagt. Solche Werbung sei mit der Zielgruppe Kinder laut Gesetz unlauterer Wettbewerb. Damit nutze Gameforge die Unerfahrenheit der Kinder aus. Die Klage wurde bereits im Jahr 2009 eingereicht und hat seitdem einen langen Weg durch verschiedene Instanzen durchgemacht. Die Klage wurde so schon von zwei Gerichten abgewiesen. Laut den Gerichten erfülle die Aufforderung in Kombination mit einem Link zu dem Onlineshop mit weiterführenden Informationen nicht die Voraussetzungen für unlauteren Wettbewerb im Sinne des Gesetzes.

So sei der Kaufappell an die möglichen Kunden nicht unmittelbar. Außerdem sei der Spielbetrieb der Kinder nicht unmittelbar ausgenutzt worden. Das jetzige Urteil sei zwar gegenteilig zu den Vorherigen, jedoch beschäfigt sich dieses nicht direkt mit dem Sachverhalt. Es handelt sich um ein sogenanntes Versäumnisurteil, da kein Vertreter von Gameforge zu dem Prozess anwesend war. Das Urteil sei entsprechend nicht zur Sachlage.

Gameforge kann noch innerhalb von zwei Wochen Widerspruch einlegen

Auch wenn das Urteil zunächst gesprochen ist bedeutet es noch nicht einen endgültigen Umbruch im Bereich der Spielszene. Das Ergebnis des Prozesses ist nämlich noch nicht rechtskräftig. Zwei Wochen hat Gameforge Zeit um gegen das Urteil Widerspruch einzulegen. Letztlich dürfte auch die weitere juristische Auslegung des Urteils darüber entscheiden, ob der Free-to-Play Ansatz eine Zukunft hat.

Würde das Urteil grundsätzlich Werbung an Kinder verbieten, so dürfte sowohl die Free-to-Play Industrie, als auch die generelle Spieleindustrie Probleme haben, Werbung die auf kostenpflichtige Inhalte verweist innerhalb der Spiele zu platzieren. Der Grund: Spiele werden häufig für Kinder konzipiert. Weiterhin wollen natürlich auch die Programmierer hinter den Spielen etwas an dem jeweiligen Game verdienen. Ist diese Grundlage in Zukunft nicht mehr gegeben so könnte die Spielebranche sich in Zukunft stark verändern. Aus Free-to-Play könnte dann schnell ein Bezahlansatz werden, sodass ein Inhalt aus den jeweiligen App Stores erst gekauft werden muss.

In-App-Käufe: Auch Apple hatte schon Probleme mit einem Urteil

Auch in den USA hatten die In-App-Käufe schon für Probleme gesorgt. So klagte eine Reihe von Eltern gegen das einfache Auslösen von In-App-Käufen innerhalb der Anwendungen. Auch da hing es mit den Kindern zusammen, dass die Kreditkarte der Eltern mit solchen Inhalten belastet wurde. Hier spielte allerdings eher der technische Mechanismus eine Rolle und nicht die Werbung in den Spielen. Apple reagierte auf die fälschlicherweise durchgeführten Abbuchungen mit Gutschriften auf das jeweilige iTunes Konto und machte das Beziehen von In-App-Käufen für Nutzer schwerer. Die konkreten Folgen des Urteils in Deutschland müssen zunächst abgewartet werden. In Free-to-Play Games werden die Einnahmen vor allem durch den Kauf von zusätzlichen Items erwirtschaftet.