Ruinieren Microtransactions die Xbox One?

Der Release beider Next-Gen-Konsolen ist einige Tage über die Bühne und der Staub legt sich langsam. Die neuste Kontroverse um Microtransactions bahnt sich jedoch gerade für die Xbox One mit Ryse und Forza 5 an. Wie katastrophal die Kleingeldshops der Spiele sind, hängt von der Perspektive ab.

Microtransactions – Wie schlimm ist es und was soll es kosten?

Microtransactions sind der neue DLC. So scheint es zumindest beim ersten Blick auf die Launch-Titel der Xbox One und Playstation 4. Besonders Ryse und Forza 5 fallen durch einen bereits voll funktionstüchtigen In-Game-Shop auf, der Spielern ermöglicht kosmetische Veränderungen, Upgrades und Teile des Spiels in kleinen Häppchen für Geld freizuschalten. Was in der letzten Generation DLC-Pakete von schwankender Qualität waren, scheint bei den Next-Gen-Konsolen nun ins nächstkleinere Format zu gehen. Was positiv für die In-Game-Shops spricht, ist das Fehlen von offensichtlichem Pay-to-Win. Weder Ryse noch Forza 5 bietet Spielern mit zusätzlichem Kleingeld die Möglichkeit ihre Gegner durch finanzielle Kaufkraft zu dominieren. Es handelt sich eher um kosmetische Details oder Pay-to-Advance, die Spieler mit wenig Zeit, aber voller Brieftasche ‚entlasten‘ sollen.

Bei Ryse wirken die Upgrades auf den ersten Blick besonders deplatziert, da es sich primär um einen Singleplayer handelt, in dem es wenig Sinn ergibt, sich selbst aufzubessern und damit die Herausforderung zu rauben. Durch das vorhandene Multiplayer-Element kommen alternative Rüstungen jedoch durchaus zur Geltung. Im Fall von Forza 5 ist die Angelegenheit etwas klarer und nachvollziehbarer: die Option neue Wagen per Microtransaction freizuschalten. Wer sein Lieblingsauto fahren will ohne sich dafür im Spiel abzumühen, der schadet kaum anderen Spielern. Microsoft und die verantwortlichen Spieleschmieden geben zu, dass das Konzept und jeweilige Implementierung sich definitiv noch im Aufbau befindet, aber einen festen Platz auf der Konsole haben soll.

Wie abhängig ist die Spieleindustrie von Microtransactions?

Losgelöst von der Problematik Pay-to-Win, ob und inwieweit ein Spieler sich den Vorteil gegenüber anderen Spielern freikaufen kann, steckt ein Grundproblem der Spieleindustrie in der Notwendigkeit von Microtransactions. In den letzten Jahren zeigt sich, dass Publisher und Studios Spiele von einem derart bombastischen Format entwickelt, dass sie sich kaum über Verkaufszahlen finanzieren lassen. Die Xbox One ist ein Prachtbeispiel dafür, dass selbst Vollpreisspiele zusätzliche Geldquellen enthalten müssen, um wirtschaftlich zu bleiben. Microtransactions kommen nicht zum Einsatz, um vielbeschäftigten Gamern mit dem nötigen Kleingeld einen Gefallen zu tun, sondern werden als Einnahmequelle zunehmend notwendiger.

Im Fall von Forza 5 und Ryse kann nicht davon die Rede sein, dass die Spiele auf Next-Gen-Konsolen wie der Xbox One durch dieses Finanzierungsmodell ruiniert werden. Sie sind auch ohne Microtransactions voll funktionsfähig und kein Spieler muss sich sorgen Gegenspielern, die etwas mehr bezahlt haben, hoffnungslos unterlegen zu sein. Es stellt sich jedoch die Frage, wie viel Entwicklungszeit vom eigentlichen Inhalt eines Vollpreisspiels abgeht, um diese „Zusatzoptionen“ zu erschaffen. Wenn der Trend weiter um sich greift, könnte tatsächlich die Unterhaltung, die Spiele für ihren Preis bieten, leiden und die Spielerfahrung verderben. Noch kein Grund zur Beunruhigung, aber es schadet nicht die Augen offen zu halten.