Test: Tournament of Champions (Wii) – Features & Steuerung

World Series of PokerNachdem Activision bereits versucht hat, die World Series zu einen Computerspiel zu verarbeiten, eifert Tournament of Champions diesen Bemühungen leidlich gut, aber nicht wirklich bemerkenswert nach.

Zwar wird hier mehr Wert auf die beteiligten Profis gelegt, aber das Gameplay bleibt hinter den Erwartungen zurück, was teils an den schlecht ausgearbeiteten Charakteren liegt, aber auch an der schlechten Präsentation. Hinzu kommt, dass bei Wii kein online-Multiplayerspiel möglich ist und das Spiel damit viel Potenzial verschenkt.

Spielinhalt:
Das Hauptaugenmerk von Tournament of Champions liegt auf dem Karrieremodus. Zunächst erschafft ihr einen Charakter, wie ihr das von vielen anderen Pokerversionen gewohnt seid. Dieser Vorgang läuft ohne nennenswerte Überraschungen ab. Ihr könnt zwischen einigen Gesichtern und Kleidungsstilen wählen, von denen allerdings keines so verrückt oder ausgefallen ist wie oft bei anderen Pokersimulationen. Der Aufbau des Karrieremodus ist relativ einfach. Ihr beginnt mit einer privaten Partie gegen ein paar virtuelle Freunde, aber Obacht, euer Dealer ist heute Nacht kein Geringerer als Chris „Jesus“ Ferguson. Offenbar hat der gute Chris eine Wette verloren und muss sich jetzt bei euch den Abend um die Ohren schlagen, wobei er natürlich immer auf der Suche nach Talenten für die WSOP ist. Unabhängig davon, ob ihr bei dieser Partie gewinnt oder verliert, Chris Ferguson wird euch unter seine Fittiche nehmen und eure Pokerkarriere auf den Weg bringen. Insgesamt vier Casinos mit je vier Events müssen durchkämpft werden, um das Finale im Rio in Las Vegas zu erreichen. In den Vorrunden müsst ihr versuchen, Punkte zu sammeln, um die jeweils nächste Runde zu erreichen. Siege bringen mehr Punkte und Geld, aber man bekommt auch Punkte, wenn der Finaltisch erreicht wird.

Auf eurem Weg begegnet ihr einer Reihe von Profis wie Scotty Nguyen, Men Nguyen, Antonio Esfandiari, Phil Laak, Jennifer Tilly, TJ Cloutier, Kristy Gazes, Clonis Gowen, Andrew Black und Joe Hachem. Jeder von ihnen spricht am Tisch ein paar Worte, aber es handelt sich dabei um nicht viel mehr als ein paar Satzfetzen und die üblichen Pokeransage wie „Check“ und „Raise“.

Auch spielen die Profis nicht wirklich so wie ihre lebenden Vorbilder. Joe Hachem sagt vielleicht mal seinen berühmten Satz. „Pass the sugar, baby!“, aber das hat nicht viel mit dem tatsächlichen Hachem gemein. Die künstlichen Charaktere spielen im Grunde alle gleich. Es fällt auf, dass manche von ihnen weniger Hände spielen als andere, aber das ist dann auch schon alles. Oberflächlich gesehen ist euer virtueller Gegner von mittelmäßiger Qualität, wenn auch etwas schematisch. Allerdings gibt es da ein Problem: überaggressives Setzverhalten, sogar vor dem Flop. Nur selten erlebt man, dass nach einem Pre-Flop Raise tatsächlich alle Spieler folden. Zumeist erlebt man Raises und Re-Raises, selbst wenn die Spieler nichts Besseres auf der Hand halten als K-8 offsuit. Auch Positionsspiel ist dem AI-Charakter unbekannt. Trotzdem ist es meistens möglich, Spieler nach dem Flop durch hohe Bets oder Raises aus dem Pot zu drücken. Sobald der Computergegner aber irgendetwas getroffen hat, wird er nicht mehr folden, es sei denn, er wird all-in gesetzt.

Tournament of Champions ist nicht wirklich ein gutes Lernspiel, wie es z. B. Stacked war. Während das Spiel lädt, werden euch ab und zu ein paar Informationen gezeigt, die Anfängern durchaus nützlich sein können, aber die Tipps, die während des Spiels über den Bildschirm rollen, wirken doch sehr willkürlich. „Poker ist ein Positionsspiel“, sagt da z.B. Chris Ferguson. Na super, vielen Dank, Jesus! Ein Feature, das dem ansonsten nicht am Computer spielenden Pokerenthusiasten allerdings sehr wohl nützlich sein kann, wird erst verfügbar, nachdem man eine ansehnliche Zahl von Händen gespielt hat. Dann jedoch erhält man Zugang zu einer großen Zahl statistischer Daten, darunter z. B. die Pot Odds in Abhängigkeit der Spielerzahl, die sich in der Hand befinden, die Odds für das Treffen einer bestimmten Hand, basierend auf euren und den bereits offenen Gemeinschaftskarten, eure Outs und der Prozentsatz der Hände, die ihr vor dem Flop gespielt oder geraist habt. Wer die mathematischen Aspekte von Poker genauer erforschen will, hat hier ein nützliches Werkzeug dafür zur Hand. Damit gewinnt man zwar keine Hände, verliert aber vielleicht einige weniger.

Grafik:
Ein weiterer Fehlschlag ist die Aufmachung des Spiels. Natürlich ist es schwierig, ein Pokergame interessant zu gestalten, da die Spieler am Tisch nun mal nicht viel mehr tun als auf ihren Stühlen herumzurutschen und gelegentlich laut aufzuschreien, wenn sie eine Hand gewinnen oder verlieren. Die Grafik des Spiels ist zwar nicht schlecht, sondern nur langweilig, und man vermisst ein wenig die dynamische Präsentation, die man aus dem Fernsehen gewohnt ist. Außerdem werden die Charaktere ab und zu hässlich verschnipselt dargestellt. Insgesamt sieht die Wii-Version wie ein weiterentwickeltes PS2-Spiel, was heißen soll, dass die Entwickler sich nicht gerade bemüht haben, die Hardwaremöglichkeiten von Wii auszunutzen.

Die beiliegende Wii-Steuerung ist bemerkenswert simpel und nutzt für die Onscreen-Navigation ausschließlich den Cursor. Alle anderen Funktionen löst man aus, indem man die Fernsteuerung in verschiedene Richtungen bewegt, nicht mehr und nicht weniger. Die größte Enttäuschung besteht allerdings darin, dass man ständig an GameCube-Spiele der ersten Generation erinnert wird, denn die Auflösung ist teilweise so schlecht, dass man kaum erkennen kann, ob man jetzt Kreuz oder Pik auf der Hand hält.

Sound:
Was das Hörerlebnis betrifft: auch das ist nicht gerade berauschend. Zwar hat man sich immerhin bemüht, zwei bekannte Fernsehsprecher zu gewinnen, aber leider haben diese kaum etwas zu sagen. Es sind nur ein paar Dutzend Zeilen, und sie wiederholen sich recht häufig. Werden einzelne Sprachschnipsel zusammengewürfelt, entstehen dabei oft vollkommen unrealistische Sprünge in Tonhöhe und Lautstärke am Rand der Schmerzgrenze. Immerhin ist der Dialog unter den Spielern gut verständlich und sinntragend. Im Hintergrund sind Casinogeräusche und Gitarrenriffe zu hören.

Steuerung:
Falls ihr darauf gewartet habt, dass die einzigartigen Bewegungsmöglichkeiten von Wii in World Series of Poker in Anwendung kommen, könnt ihr ruhig noch etwas länger warten. In diesem Spiel gibt es keinerlei solche Möglichkeiten. Alle Grundfunktionen werden per Knopfdruck gesteuert. Das war’s. Falls euch übrigens einfällt, wie man die Fernsteuerung von Wii gut für Poker einsetzen könnte, gebt uns doch bitte Bescheid. Wir hatten nämlich keine Idee. Vielleicht stößt man die Fernsteuerung nach vorne, um all-in zu gehen? Na gut, vielleicht auch nicht.

Multiplayer:
Leider fehlt der Wii-Pokerversion nicht nur die Bewegungsfreiheit, sondern auch das Multiplayer-Spiel. Der Online-Modus, der in jeder anderen Version von Tournament of Champions verfügbar ist, ist einfach verschwunden, und hier handelt es sich also tatsächlich um ein reines Ein-Personen-Spiel. Da Poker hauptsächlich online gegen echte Gegner gespielt wird, wirkt das Spiel ohne diese Option etwas hohl. Dazu kommt, dass Activision für diese Version mehr verlangt als für die anderen derzeit erhältlichen. Hört sich das für euch nach einem schlechten Geschäft an? Falsch, es ist ein miserables Geschäft.

Fazit:
Tournament of Champions für Wii sollte Poker erstmals auf der Konsole spielfähig machen und hat auch genau das getan, nicht mehr und nicht weniger. Das Spiel ist abgesehen von dem mäßig interessanten Karrieremodus völlig uninteressant, die virtuelle Intelligenz ist kaum erwähnenswert. Ohne Online-Option und der Möglichkeit, Wii-typische Bewegungen durchzuführen, aber mit langweiliger Aufmachung ist Poker für Wii nur für hartgesottene Fans zu empfehlen.

Pro & Contra:
+ interessanter Karrieremodus
+ namhafte Pokerprofis als Gegner
+ Pokertips für Anfänger

– kein Multiplayer
– schlechte Steuerung