Wolfenstein: Tabu ist Tabu

Wolfenstein ist ein Klassiker unter den Computerspielen. Seit über 30 Jahren bekämpft Captain Blazkowiscz die Nazis – und landet immer wieder auf dem deutschen Index wegen der verwendeten Symbole.

Erfolgreich und auf dem Index

Die Wolfenstein-Reihe gibt es bereits seit 1981 und von Anfang an gab es hierzulande Probleme wegen nationalsozialistischer Symbole im Spiel. Ursprünglich war das Spiel für den Apple II konzipiert, kam dann aber auch in Versionen für den C 64, Atari und MS-DOS heraus. In der ersten Ausgabe mit dem Titel „Castle Wolfenstein“ schlüpfte der Spieler in die Rolle eines Gefangenen, der zu fliehen versucht. In Deutschland war das Spiel bis 2012 auf dem Index. Obwohl die Wolfenstein-Spiele heute als wegweisende Klassiker im Bereich der Stealth- und Ego-Shooter gelten, blieb der Plot, der im 2. Weltkrieg angesiedelt war, stets ein Problem für deutsche Behörden. So wurden auch die Nachfolger immer wieder indiziert. Wolfenstein 3D aus dem Jahr 1992 gilt als der erste Ego-Shooter überhaupt, wurde aber 1994 durch das Amtsgericht München verboten und bundesweit beschlagnahmt. Bis heute steht das Spiel auf dem Index. Der Nachfolger Spear of Destiny wurde dagegen erst Jahre später indiziert und es kam nicht zur Beschlagnahmung.

Die Probleme mit der deutschen Rechtsprechung, die teilweise auch mit Freispruch endeten, da das Spiel als anti-faschistisch gewertet wurde, behinderten nicht den weltweiten Erfolg. 2001 veröffentlichte id Software Return to Castle Wolfenstein und 2003 kamen Versionen für die PlayStaion 2 und die Xbox heraus. 2009 erschien der Nachfolger Wolfenstein. In der deutschen Version wurden sämtliche Hinweise auf das Dritte Reich entfernt und auch die Gewaltdarstellungen stark reduziert. Das geht so weit, dass das deutsche Schlachtschiff „Tirpitz“ in „Tripitz“ umbenannt wurde. Die UK-Version wurde 2010 verboten und darf in Deutschland nicht verkauft werden.

Wolfenstein: The New Order

Am 20. Mai 2014 erschien nun mit Wolfenstein: The New Order die neueste Fortsetzung der Reihe. Publisher ist dieses Mal Bethesda Softworks. Weiterhin ist der amerikanische Soldat B. J. Blazkowicz der Protagonist des Spiels. Allerdings spielt der Plot nicht mehr im zweiten Weltkrieg, sondern im Jahr 1960. Blazkowicz erwacht nach 14 Jahren aus einem Koma und muss feststellen, dass die Nationalsozialisten den Krieg gewonnen haben und die Welt beherrschen. In dieser alternativen Welt schließt sich Blazkowicz dem Widerstand an. Erstmals war id Software nicht an der Entwicklung beteiligt. Für Deutschland wurden alle NS-Symbole entfernt und aus den Nationalsozialisten wurde „Das Regime“. Bislang mussten auch keine Gewaltszenen entschärft werden, allerdings ist das Spiel eh wieder erst ab 18 Jahren freigegeben.

Wie schon die Vorgänger bekommt auch Wolfenstein: The New Order sehr gute Bewertungen von den Computer-Zeitschriften. Die Mischung aus Abenteuer und Humor, sowie auch aus Abscheu und Faszination begeisterte die Tester. Im Original sprechen die Charaktere des „Regimes“ deutsch, was in der deutschen Version natürlich verloren geht. Vertrieben wird das Spiel über Steamworks. Für Deutschland und Österreich kann die internationale Version nicht aktiviert werden. Hierzulande gilt dies als „Verbreitung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“.